Nil Diya Pokuna – auf Singhalesisch wörtlich „Teich mit blauem Wasser“ – ist eine der ungewöhnlichsten Naturattraktionen Sri Lankas: ein klares, bläulich schimmerndes Süßwasserbecken, das rund 80 Meter unter der Erde in einem Höhlensystem bei Karandagolla liegt, nicht weit von Ella in der Provinz Uva. Es ist kein Ort, auf den man zufällig stößt. Der Weg dorthin verlangt bewusste körperliche Anstrengung, eine gewisse Toleranz gegenüber engen Räumen und einen verlässlichen Führer. Wer dazu bereit ist, wird mit einer unterirdischen Welt belohnt, die nur wenige Reisende je zu Gesicht bekommen.
Was ist Nil Diya Pokuna und wie ist es entstanden?
Das Becken wird von unterirdischen Quellen gespeist, deren Wasser durch das umgebende Gestein sickert und dadurch außergewöhnlich klar ist. Der blaue Farbton, dem der Ort seinen Namen verdankt, entsteht aus dem Zusammenspiel von Wassertiefe, Mineralgehalt und der Art, wie Licht – meist das Licht von Taschen- oder Stirnlampen – darin gebrochen wird. Die Höhlenkammer, in der das Becken liegt, ist ein großer, kuppelförmiger Hohlraum, dessen Wände und Decke über Millionen von Jahren durch die Auflösung und den Einsturz von Kalkstein geformt wurden. Die Gänge dorthin sind von Felsformationen gesäumt und reichen von schmalen Engstellen bis zu offenen, kathedralenartigen Räumen.
Der Ort gehört zu einem größeren Höhlennetz in den Hügeln bei Ella, einer Gegend, die bereits für ihre eindrucksvolle Hochlandlandschaft, ihre Wasserfälle und alte Volkssagen bekannt ist. Geologisch zählt die Höhle zum Karstgelände, das Teile der Provinz Uva prägt und in dem lösliches Gestein über geologische Zeiträume hinweg langsam vom Grundwasser ausgehöhlt wurde.
Welche Legende rankt sich um Nil Diya Pokuna?
Die örtliche Überlieferung verbindet das Höhlensystem mit König Ravana, dem Herrscher, dessen Geschichte im Mittelpunkt des Ramayana-Epos steht und der nach srilankischer Volkssage diesen Teil der Insel zu seiner Festung machte. Einigen Erzählungen zufolge war das Höhlennetz um Ella Teil von Ravanas unterirdischem Tunnelsystem, und Nil Diya Pokuna gehört zu den Orten, die Einheimische mit seiner Legende verbinden. Nicht weit von der Höhle entfernt unterstreicht Rawanagala – der Felsgipfel, der Ravanas Namen trägt – die tiefe Verbindung der Gegend zu dieser Mythologie.
Ob man der Legende Glauben schenkt oder nicht, sie verleiht einem ohnehin beeindruckenden Naturphänomen eine zusätzliche kulturelle Bedeutung. Für manche örtlichen Gemeinschaften ist die Höhle ein stiller heiliger Ort, und von Besuchern wird überall auf dem Gelände respektvolles Verhalten erwartet.
Wie körperlich anspruchsvoll ist die Tour nach Nil Diya Pokuna?
Der Weg zum Höhleneingang führt durch bewaldetes Gelände, doch das eigentliche Erlebnis ist der Abstieg unter die Erde. Besucher müssen sich durch schmale Öffnungen zwängen, mit Seilen und kurzen Leitern Stufen hinabsteigen und Gänge bewältigen, in denen Ducken oder Kriechen unvermeidlich ist. Der Höhlenboden ist uneben und kann rutschig sein, vor allem dort, wo Wasser durch das Gestein sickert. Im Inneren gibt es keine künstliche Beleuchtung; Taschen- oder Stirnlampen sind unerlässlich.
Der Weg zum Becken und zurück dauert in der Regel etwa zwei bis drei Stunden, je nach Tempo und Wohlbefinden der Gruppe. Für Menschen mit deutlich eingeschränkter Beweglichkeit, Platzangst oder ernsten Atemwegserkrankungen ist er nicht geeignet. Kinder sollten sich nur daran wagen, wenn sie selbstsicher und einigermaßen fit sind und von Erwachsenen begleitet werden. Unabhängig vom Fitnessniveau wird dringend empfohlen, einen ortskundigen Führer zu engagieren, der die Höhle kennt – in der Dunkelheit verliert man in den Gängen leicht die Orientierung, und die Bedingungen können sich während oder nach Regen ändern.
Wann ist die beste Reisezeit für Nil Diya Pokuna?
Die Trockenzeit von Dezember bis März bietet die verlässlichsten Bedingungen. In diesen Monaten sind die Höhlengänge seltener überflutet oder durchnässt, und der Zugangsweg ist leichter zu begehen. Die Gegend um Ella liegt in mittlerer Höhe und erhält Regen von beiden Monsunen, weshalb die Höhle nach starken Regenfällen deutlich gefährlicher – und in manchen Fällen unpassierbar – werden kann.
Ein Besuch in der Zwischenmonsunzeit oder in feuchteren Monaten ist möglich, doch sollten die Bedingungen vor dem Abstieg vor Ort geklärt werden. Besuche am Vormittag sind in der Regel vorzuziehen, da in den Übergangszeiten nachmittags häufig Gewitter über den Hügeln niedergehen.
Wie gelange ich von Ella nach Nil Diya Pokuna?
Der Höhleneingang liegt beim Dorf Karandagolla, wenige Kilometer vom Ort Ella entfernt. Am einfachsten gelangt man mit dem Tuk-Tuk oder Auto von Ella dorthin und geht anschließend zu Fuß zum Höhleneingang. Die Straßen in der Gegend sind typisch für das ländliche Sri Lanka – teilweise asphaltiert, aber schmal und stellenweise ausgefahren. Ein privates Fahrzeug oder ein im Voraus vereinbarter örtlicher Führer, der sich auch um den Transport kümmert, ist die bequemste Lösung.
Ella selbst ist über die berühmte Bahnstrecke durch das Hochland gut mit Colombo und Kandy verbunden, sodass man sich dort leicht einquartieren und die Höhle als Halbtagesausflug besuchen kann. Der Ort bietet eine wachsende Auswahl an Gästehäusern und kleinen Hotels für Reisende, die wegen der Landschaft, der Wanderungen und der Sehenswürdigkeiten kommen.
Was sollte ich in die Höhle mitnehmen?
- Eine zuverlässige Stirn- oder Taschenlampe mit frischen Batterien – die Höhle ist völlig unbeleuchtet
- Feste, geschlossene Schuhe mit gutem Profil (Sandalen sind auf nassem Fels unsicher)
- Kleidung, die schmutzig oder feucht werden darf
- Einen kleinen Rucksack statt einer großen Tasche – er muss durch enge Stellen passen
- Wasser und einen kleinen Snack für den Weg
- Wechselkleidung für danach, falls Sie im Becken schwimmen möchten
Wertsachen, loser Schmuck und alles Zerbrechliche sollten zurückgelassen oder sorgfältig gesichert werden. Die Höhle ist durchgehend feucht, und Elektronik ohne wasserdichte Hülle ist gefährdet.
Darf man im Becken schwimmen?
Viele Besucher gehen in Nil Diya Pokuna ins Wasser – das Becken ist einer der Hauptgründe für die Tour. Das Wasser ist kalt und unterschiedlich tief; am Rand wird häufig gewatet, während geübtere Schwimmer weiter hinausschwimmen. Wie in der Höhle selbst gibt es keine Rettungsschwimmer oder Sicherheitseinrichtungen, sodass das Schwimmen ausschließlich auf eigene Gefahr erfolgt. Wer kein sicherer Schwimmer ist, sollte nicht ins Wasser gehen. Ein Führer kann über die aktuellen Bedingungen und mögliche örtliche Gefahren informieren.
Was gibt es in der Nähe von Nil Diya Pokuna noch zu sehen?
Die Gegend um Ella vereint auf kleinem Raum zahlreiche Natur- und Kultursehenswürdigkeiten. Der Horton-Plains-Nationalpark mit seinem Nebelwaldplateau und der eindrucksvollen Steilkante am World's End liegt etwa eine Autostunde von Ella entfernt. Näher am Ort belohnen mehrere Aussichtspunkte und kurze Wanderungen alle, die die Hochlandlandschaft in gemächlicherem Tempo erleben möchten. Das Sinharaja-Waldschutzgebiet, der von der UNESCO gelistete Regenwald Sri Lankas, ist von der Gegend aus als längerer Tagesausflug erreichbar. Wer sich für Sri Lankas Teeland interessiert, findet in den umliegenden Hügeln aktive Plantagen und Fabrikbesichtigungen, die die Herstellung von Ceylon-Tee zeigen.
Orte in der Nähe
12 Orte im Umkreis von etwa 25 km, die nächsten zuerst.
- Kurulangala Felsenkunstunter 1 km
- Demodara Bahnhofunter 1 km
- Rawana Ella Höhle1 km
- Ballaketuwa1 km
- Amba-Anwesen2 km
- Kithal Elle Bahnhof2 km
- Hakgedi Ella Wasserfall2 km
- Yati ella thota2 km
- Heel Oya Stadt3 km
- Dowa Raja Maha Viharaya5 km
- Bomburu Ella Wasserfall6 km
- Divurumpola Tempel7 km
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